Umschulung zum Linkshänder auf eigene Faust?!

Ich komme aus einer sehr konservativen Familie, das heisst für die gilt Links ist die böse Hand

Nun, bis vor kurzem habe ich mich auch für einen Rechtshänder gehalten, weil ich eben es so gewohnt war mit rechts zu schreiben. Aber das ist eigentlich auch schon alles was ich mit rechts mache. Der Rest erfolgt immer mit links. Ich esse wenn ich nur eine Gabel oder einen Löffel habe mit links und haue auch Nägel mit der linken Hand in ein Brett (mit nem Hammer versteht sich 😉 ). Und Schrauben zieh ich auch mit links fest. Da gibt es kaum Ausnahmen bis auf das Werfen eines Balls, das bei mir seit einem Unfall wegen der Behinderung eines Muskels nicht mehr möglich ist.

Bis jetzt ist mir das nicht aufgefallen, bis mir gesagt wurde dass Linkshändigkeit nicht unbedingt davon abhängt mit welcher Hand man schreibt. Alle anderen Dinge auf die meine (Gross-)Eltern keinen oder nur wenig Einfluss hatten mache ich mit links.

Ich probiere seit einiger Zeit auch mal mit links zu schreiben, und wie ich finde gehts das ziemlich gut. Nur eben ist es lange nicht so perfekt wie mit rechts. Ich merke auch wenn ich zB. Hausaufgaben mit links mache, dass das wesentlich leichter geht, ich kann mich besser kozentrieren und auch entspannen.

Nun von einem Umschulungskurs halten meine Eltern wohl nicht viel, kann ich das auch auf eigene Faust trainieren, das ich es eines Tages links wie rechts kann? Wäre schon wenn ich mih auch in Zukunft besser auf meine Dinge konzentrieren kann!

Es war damals bei uns in der Kinderkrippe…

Auch meine Denkstrukktur ist eher LH-typisch, obwohl ich haupsächlich mit rechts agiere, nicht nur beim Schreiben. Ich weiß nicht, ob das auch einfach typbedingt ist, die Art eines Menschen definiert sich ja nicht nur über seine Händigkeit.

Auch Leute mit ADS haben z.B. ähnliche Denkmuster. Wenn das ADS nicht sehr stark ausgeprägt ist, muß es nicht einmal auffallen, besonders beim “Typ Träumer”, (d.h. ADS ohne Hyperaktivität), die Leute denken nur einfach in anderen Bahnen.

Ich bin ev. selber betroffen und 2 meiner Kinder auch. Allerdings haben wir nur für den Großen die Diagnose, alles andere sind meine Vermutungen eines ” gut informierten Laien”. Andererseits vermute ich seit einiger Zeit auch bei mir eine frühzeitge (im Kleinkindalter) gründliche Umschulung. Mir war nämlich aufgefallen, daß ich völlig neue Bewegungsabläufe mit links schneller lerne (z.B. mit Stäbchen essen) oder auf die LH-Typische Art (r.Hand hält fest, l. Hand agiert) ausführe.

Es war damals bei uns in der Kinderkrippe üblich, von Anfang an ganz konsequent darauf zu achten, daß die Kinder wirklich alles !!! mir der “richtigen” (sprich RECHTEN!) Hand machen. Woanders war es nicht so krass, ich weiß…

Der einzige Kommentar, den ich meiner Mutter dahingehend entlockte, war: “Wir mußten schon ein bischen aufpassen, damit du nich LH wirst. Aber du hast nie Schwierigkeiten deswegen gemacht”

Sicher wäre es sehr interessannt, das alles mal gründlich diagnostizieren zu lassen. Aber eine Diagnose “auf eigenen Wunsch” ist glaube ich ja auch nicht ganz billig.
Und welche Konsequenzen hätte es denn? Für eine Rückschulung (falls LH) habe ich z.Z. einfach keine Nerven, Medikamente (falls ADS) mag ich nicht nehmen.

Aber es ist einfach gut, zu wissen, daß mein “Alltagschaos” vermutlich reale Hintergründe hat und nicht, wie ich viele Jahre dachte, und es mir ja auch eingeredet wurde, nur auf Unfähigkeit und Faulheit beruht. Seitdem kann ich gezielt schauen, was mir bei meinen Alltagsproblemen (Termine einhalten, Ordnung, Übersicht behalten) hilft.

Plötzlich Linkshänder?!

Sie sind bereits erwachsen und Ihnen fällt plötzlich auf, dass Sie Linkshänder sind?! Eine alte Geschichte aus unserem ehemaligem Forum.

Bei mir war es so, dass ich bis ca. 18 Jahre eigentlich Rechtshänder war, jedenfalls nach meiner eigenen Erinnerung. Ich bin auch sicher nicht zum Schreiben mit der rechten Hand gezwungen worden. Dennoch “wurde” ich in dem Alter zum Linkshänder. Ich vermute, ich war es schon immer. Wie kann das sein?

Allerdings habe ich durch das Lernen mit der rechten Hand viele Vorteile, denn eine Dose aufzumachen ist mir durchaus moeglich, auch wenn ich den Öffner dann doch erst wieder in die rechte Hand wechseln muss.

Ist ja total interessant, welche verschiedenen Lebensläufe wir so nehmen. Ich weiß z.B. erst seit einem Jahr, dass meine Zwillingsschwester (umgeschult) linkshändig ist. Wann und wie diese Umschulungen stattgefunden haben, kann keiner nachvollziehen. Sie hat keine Erinnerungen an irgend einen Zwang. Aber in den sechziger Jahren war man diesbezüglich auch recht unsensibel, man wuchs einfach rechtshändig auf…

“… in den 60er Jahren wuchs man einfach rechtshändig auf.” Diese Erfahrung kann ich nur bestätigen; ich wurde 1961 eingeschult, erinnere mich aber sehr wohl daran, dass mir meine Zwillingsschwester immer als das leuchtende Vorbild gezeigt wurde. “Schau doch, wie schön die Karin das macht!” Aber “die Karin” kann da wirklich nichts dafür.

Beim Essen habe ich das Besteck schon als Kind “verkehrtherum” gehalten. Dagegen sind meine Eltern nicht eingeschritten, es schien ihnen wohl nicht so wichtig. Immerhin war auch mein Vater umerzogener Linkshänder. Aber verspottet haben sie mich deswegen regelmäßig (“Linkerdootscher!”).

Ich erzähle euch jetzt einmal, wann meine Mutter meine Linkshändigkeit bemerkt haben will: Ich war ungefähr 37 Jahre alt, als ich bei ihr zu Besuch war. Ich stand in ihrer Küche und schnitt Brot, wobei ich das Messer – wie immer – links führte. Da kam meine Mutter hinzu und rief aus: “Allmächtiger! Bist du Linkshänder?!”

Jetzt – zehn Jahre später – habe ich ihr von den Folgen der Umerziehung und meiner Rückschulungsabsicht erzählt. Nachdem ich ein wenig gebohrt hatte, erinnerte sie sich auch wieder an tränenreiche Schreibübungen im ersten Schuljahr, an seitenverkehrt geschriebene Buchstaben und andere “Kleinigkeiten” mehr.

Und dann hat sie mir endlich stolz erzählt, dass ihr Vater – also mein Opa mütterlicherseits – auch Linkshänder war. Jetzt kramt sie in unseren Kinderfotos herum, ob meine Linkshändigkeit darauf erkennbar ist.

Wut auf meine Mutter habe ich deswegen aber nicht. Wie gesagt, es war halt so. Selbst wenn Eltern damals Rat gesucht hätten, wäre ihnen doch nur gesagt worden, sie sollen ihre Kinder rechtshändig erziehen, dann hätten sie es später leichter!